Unsere Projekte und Arbeitsbereiche

Frauenklinik

Das Projekt Frauenklinik ist eines der notwendigsten Projekte, die wir – Women for Justice e.V. – durchführen wollen. Im gesamten Shengal Gebiet gibt es keine einzige Frauenklinik oder Gynäkologische Abteilung, in der Frauen und vor allem werdende Mütter medizinisch behandelt und betreut werden können. In den vergangenen Jahren, und selbst in der Zeit vor dem anhaltenden Genozid, der am 3. August 2014 begann, mussten Frauen bei gynäkologischen Beschwerden nach Mosul oder in andere Städte fahren, um eine professionelle Behandlung zu erhalten. Diejenigen, die in armen Verhältnissen leben, können sich weder die Fahrt noch die Behandlung leisten und sind daher umso mehr auf Hebammen angewiesen.

Des Weiteren benötigen viele junge Frauen Aufklärungsseminare. In der ezidischen Gesellschaft werden viele Frauen im jungen Alter verheiratet und dementsprechend werden sie auch im jungen Alter schwanger. Viele sind, nicht zuletzt wegen mangelnder Bildungsmöglichkeiten, nicht aufgeklärt und wissen daher nicht, was während und nach der Schwangerschaft auf sie zukommen kann. Auch in Angelegenheiten wie Verhütung etc. sind sie sehr unerfahren. Mit diesem Projekt möchten wir auch die Möglichkeit für junge Frauen und Jugendliche schaffen, in Seminaren aufgeklärt zu werden und somit eine ungewollte Heirat oder Schwangerschaft im jungen Alter zu verhindern.

Auch möchten wir mit diesem Projekt ein Traumazentrum eröffnen, in dem (junge) Frauen und vor allem Frauen und Kinder, die in Gefangenschaft des sog. „IS“ waren, eine psychologische Behandlung bekommen können.

Dokumentationsprojekt

Um den 73. Völkermord an den Ezid_innen zu verstehen, zu analysieren und Antworten darauf zu finden, startete Women for Justice e.V. das langfristige Dokumentationsprojekt, das ein Engagement in der Türkei, im Irak, Syrien, Kurdistan, Deutschland, Griechenland, Kanada, Frankreich und hoffentlich auch in Australien umfasst. Wir führen Interviews, sammeln Zeug_innen-Aussagen, führen Treffen und Gespräche mit Überlebenden, Beobachter_innen, Nachbar_innen, Interessenvertreter_innen u.a. und sammeln jede Art von Beweisen. Wir bieten rechtliche Unterstützung und Beratung für Überlebende an.

Wir unterstützen Überlebende in europäischen Ländern, in denen sie Asyl suchen, vor allem in Deutschland. Viele Überlebende wurden zur Rehabilitation nach Deutschland und Kanada umgesiedelt oder erhielten Zugang zu Deutschland und Kanada. Viele Überlebende, die derzeit in diesen Aufnahmeländern leben, benötigen zuverlässige Informationen über ihre Rechte, insbesondere im Hinblick auf den Familiennachzug. Wir bieten rechtliche Unterstützung bei der Familienzusammenführung, Sensibilisierung für ihre Rechte, beim Aufbau von Kapazitäten sowie soziale Unterstützung bei der Wiedereingliederung in ihre Gemeinschaften und die Gesellschaft im Allgemeinen.

Weltkarte:
Bereits tätig (gewesen) in: Deutschland, Türkei, Syrien, Irak, Griechenland, Kanada (grün)
Geplant in: Frankreich, Australien (lila)
Darüber hinaus Projekte in Bezug auf das Dokumentationsprojekt in: Schweiz, England (orange)

Soziale Unterstützung für Überlebende: Traumabewältigung und (Re-)Integration

Die ezidischen Frauen in Gefangenschaft blieben in ihren Überzeugungen stark und gaben den Glauben an Freiheit und ihre Gemeinschaft nicht auf. Zurück in ihren Familien brauchen die Frauen Unterstützung. Frauen, die aus der Gefangenschaft entkommen sind, müssen sich sowohl mit ihrer Erfahrung als Individuum als auch mit der Rückkehr in ihre Gemeinschaft auseinandersetzen. Obwohl Frauen im Allgemeinen wieder in ihren Familien und Gemeinschaften willkommen sind, bedeutet dies nicht, dass jede_r die heikle Situation dieser Frauen gut versteht und richtig handeln oder reagieren kann. In Sinjar (Șengal/Nordirak), Rojava/Syrien und Deutschland unterstützt Women for Justice e.V. Frauen bei der Bewältigung des Traumas, indem sie ihnen professionelle medizinische, psychologische u.a. Unterstützung anbieten und indem sie Frauen auf unterschiedliche Weise zusammenbringen, um sie als Individuum sowie als Teil der Gesellschaft durch runde Tische, Seminare und Workshops zu stärken. Women for Justice e.V. unterstützt Frauen und ihre Familienangehörigen bei allen Arten von sozialen Problemen und Fragen. Wir versuchen immer, selbst Lösungen zu finden oder versuchen, wenn nötig, professionelle Unterstützung zu finden. Die Begleitung von Frauen zurück in ihre Familien und Gemeinschaft ist ein langer Lernprozess für alle Teile der Gesellschaft.
Auch in Deutschland unterstützen wir Frauen und ihre Familien auf unterschiedliche Weise bei sozialen Problemen, die sich aus einem Leben in einem neuen Land, mit einer neuen Sprache und einer anderen Lebensweise ergeben. Wir kommunizieren auch zwischen Frauen in Deutschland und ihren Familien im Irak.

Öffentliches Bewusstsein und Vernetzung

Informationen, öffentliches Bewusstsein und Vernetzung sind wichtig, um zu verstehen, was wir wollen, um zu verstehen, welche Wege wir gehen können, um Partner_innen zu finden und um gemeinsam für Frauenrechte, für Gerechtigkeit und das öffentliche Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt zu kämpfen. Wir wollen für Gerechtigkeit für ezidische Frauen, aber auch für andere Frauen in ähnlichen Situationen kämpfen. Geschlechtsspezifische Gewalt ist nicht nur ein Thema des Völkermordes an den Ezid_innen, sondern wird von den Tätern auch als Kriegswaffe eingesetzt. Wir müssen alle gemeinsam für ein besseres Leben kämpfen, in dem alle Teile der Gesellschaft, auch die Frauen, ihre Rechte nutzen und genießen können.

Women for Justice e.V. organisiert selbst (und/oder mit Partner_innen) folgende Veranstaltungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene:

- Konferenzen
- Seminare
- Workshops
- Kampagnen
- Interviews für Zeitungen, Radio und Fernsehen
- Auf der Suche nach Partnerorganisationen
- Wir suchen nach Personen, die unsere Ziele unterstützen

Bau eines Kindergartens in Sinjar (Șengal)

Kinder sind in jeder Gesellschaft ein sehr sensibler Teil. Krieg, das Erleben von Morden, oft an ihren eigenen Familienmitgliedern, das Hören vieler Arten von Munition sowie das plötzliche Verlassen ihres sicheren Heims schufen Ängste und Sorgen der Kinder. Tausende von ezidischen Kindern waren im heißen, trockenen Sommer im August sieben Tage lang vom sogenannten IS umgeben; sie sahen auch, wie Babys, Kinder und ältere Menschen an Durst und Hunger starben. Viele Tote konnten nicht einmal begraben werden. Diese Kinder mussten sich der Angst vor dem Tod stellen. Tausende von Kindern wurden mit oder ohne Familienangehörige vom sogenannten IS entführt, von ihren Familien isoliert, zu IS-Kämpfern ausgebildet, zum Islamismus gezwungen, sexuell missbraucht und gefoltert. Viele Kinder haben in dieser Zeit ihre Brüder und Schwestern verloren oder sind jetzt (Halb-)Waisen. Kinder sind nur selten Gegenstand von Diskussionen und Treffen. Es scheint, dass die Schwächsten keine Aufmerksamkeit bekommen.

Wir wollen im Gebiet Serdest oder in der Stadt Sinjar (Șengal) einen Kindergarten für mindestens 50 Kinder zwischen zwei und fünf Jahren bauen. Die Kinder sollen mit Gleichaltrigen zusammenkommen, sich austauschen und gemeinsam spielen und durch ein pädagogisches Konzept unterstützt werden, das ihre Kompetenzen und Fähigkeiten anspricht. Dies wird ihre Bemühungen in der Schule verstärken. Auch Familien und insbesondere Mütter (die traumatisiert sind) werden auf diese Weise entlastet. Ein Kindergarten wird positive Auswirkungen auf die psychische und physische Situation der Kinder und ihrer Familien haben. Das Programm des Kindergartens wird aus Gruppenspielen (Stärkung der Teamfähigkeit, Zusammengehörigkeitsgefühl, Wir-Denken), individueller Betreuung (Stärkung der persönlichen Kompetenzen und Interessen), gemeinsamem Singen, Kunst- und Kulturprojekten, dem Erlernen von Sprachen (Kurdisch, Arabisch und Englisch), Lernfähigkeiten und für die Schule notwendigen Kenntnissen bestehen.

Frauenzentrum für Sinjar (Șengal/Nordirak)

Viele ezidische Frauen waren während und nach dem am 03.08.2014 begonnenen Genozid und Femizid geschlechtsbezogener und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt. Für diese Frauen werden wir ein neues Frauenzentrum gründen, in dem sie sowohl durch personen- als auch durch gemeinschaftsorientierte Interventionen Unterstützung finden werden. Im Einzelnen bedeutet das

- körperliche Gesundheitsversorgung durch Ärzt_innen
- psychische Gesundheitsversorgung durch spezialisierte Psycholog_innen
- emotionale und praktische Unterstützung durch Gemeindearbeiter_innen und Verbindungen zu anderen Diensten
- sichere Räume durch den Aufbau eines Hauptzentrums in der Stadt Sinjar und zweier kleinerer Zweigstellen im Sinjar-Gebiet
- Schulungen zum Aufbau von Kapazitäten in den Bereichen Gleichstellung der Geschlechter, Menschenrechte von Frauen, Frauengeschichte, Alphabetisierungskurse usw.
- Rechtsberatungsdienste

Unser Hauptziel ist es, ezidische Frauen zu ermächtigen, indem wir sie auf ihrem Weg aus der Opferrolle in ein selbstbestimmtes Leben unterstützen.

Wander-Ausstellung
ÜBER LEBEN
(Über das Leben/"Überleben")

Ezidische Frauen, die aus der Gefangenschaft des sogenannten IS flohen, waren so mutig über die brutale Gewalt zu sprechen, die sie erlebt haben. Women for Justice e.V. führte zwischen Dezember 2017 und März 2018 12 Interviews mit ezidischen Frauen in Qamischli (Rojava), Sinjar (Şengal/Nordirak) und in der Region Baden-Württemberg (Deutschland) durch. Indem sie ihre Geschichten erzählen und uns erlauben, sie in eine Ausstellung zu bringen, fordern diese Frauen nicht nur Gerechtigkeit vor Gericht, sondern wollen auch, dass die Welt versteht, was passiert ist. Sie wollen vermeiden, dass irgendjemand die Gräueltaten leugnen kann. Sie wollen auch darüber informieren, dass der Völkermord noch immer andauert, dass Familienmitglieder noch immer in Gefangenschaft sind. Dies sind Geschichten von Leid und Stärke. Sie hoffen auf Rehabilitation, Gerechtigkeit, Menschenrechte, internationale Unterstützung und Frieden für alle Ezid_innen und andere Menschen in der Welt, die ums Überleben kämpfen. Ezidische Frauen bitten um Unterstützung in ihrem Kampf, stark zu werden, um Gerechtigkeit zu fordern und zu erhalten.

Die Ausstellung wurde an den folgenden Orten gezeigt:
- Frauenmuseum, Bonn, November-Dezember 2018
- Neues Rathaus Celle, Celle, Januar-Februar 2019
- Initiative "Nachbarschaftshilfe - Flüchtlinge helfen" Rockenhausen, März 2019
- 1. Ezidisches Kulturfestival, Bielefeld, Juni 2019
- Museum des Kapitalismus, Ezidische Frauen & Frauen aus Asien gegen Kriegsverbrechen, Berlin, August 2019
- Stadtbücherei, Stadtbezirk Quickborn, September-Oktober 2019
- Frauenzentrum Voerde e.V., Voerde, November 2019
- Deutscher Frauenring LV BW, Freiburg, November 2019
- Rathaus Kaiserslautern, Kaiserslautern, November-Dezember 2019

Die Ausstellung wurde bereits ins Englische übersetzt. Gesucht wird ein_e interessierte_r Partner_in, um die Ausstellung auch im englischsprachigen Raum zu zeigen.

Heilige Tempel in Sinjar

In der Ausübung des Glaubens spielen die heiligen Tempel der Ezid_innen eine zentrale Rolle. Sie sind Orte des Glaubens, der Geschichte und Identität. Diesen Tempeln wird eine spirituelle Kraft nachgesagt. Mit Beginn des Genozides an den Ezid_innen am 3. August 2014 wurden durch den sog. Islamischen Staat dutzende heilige Tempel der Ezid_innen zerstört. Durch die Flucht der Ezid_innen aus Sinjar wurden die heiligen Stätten weniger bis gar nicht aufgesucht. Das ändert sich jedoch mit zunehmender Rückkehr. Allerdings waren die heiligen Stätten jahrelang ohne Betreuung und Pflege.

Women for Justice e.V. möchte das Wissen, besonders zu den zerstörten Tempeln, festhalten und weitergeben. Unser Ziel ist auch die Sanierung und der Wiederaufbau von Tempeln mit besonderer Berücksichtigung von Frauen. Wir wollen mit zwei Projekten beginnen: Sanierung des Frauentempels Xantûna Fexra und Recherche zu zerstörten Tempeln in Sinjar.

Heilkräutergarten

Die Region Shingal ist reich an Natur. Sie wurde jedoch, weil in ihr überwiegend Ezid_innen lebten, stets in jeglicher Hinsicht von Seiten der staatlichen Autoritäten benachteiligt. Shingal lebte von der Landwirtschaft. Der Boden ist durch die fehlende Industrie fruchtbar geblieben. Die Umsiedlungsprojekte im Rahmen der Arabisierungspolitik Saddam Husseins haben jedoch zu einer Zerstörung der Umwelt (z.B. wurden großflächig Wälder gerodet, um Holz zum Heizen zu haben) und den Verlust der positiven Beziehung zwischen Mensch und Natur geführt. Die Menschen wurden der Natur, in der sie lebten, entfremdet, indem sie in bis dahin unerschlossene Gebiete in der Steppe umgesiedelt wurden, wo kaum Wasser zu finden ist. Mutter Erde ist bei den Ezid_innen ein heiliges Element. Ihr zu Ehren wird im April, in dem Monat, in dem die Welt entstanden worden sein soll, nicht gebaut und die Erde insgesamt verschont. Ezid_innen kennen heute jedoch nur noch wenige Heilpfanzen, bzw. durch die Umsiedlung haben sie den Bezug zu ihnen verloren. Insgesamt sträuben sich jedoch Ezid_innen aus der Religion und Überzeugung heraus gegen chemische Produkte und industriell erzeugte Arzneimittel. Nach wie vor werden Heilpflanzen bevorzugt. Allerdings gibt es immer weniger Personen, die über Wissen zu Heilpflanzen und ihren Wirkungen verfügen.

Women for Justice e.V. beabsichtigt den Aufbau eines nachhaltigen Heilkräuterprojekts von Frauen, das auch eine Ausbildung und Wissensvermittlung beinhalten soll.

Ziele
- Bewahrung kulturellen und historischen Wissen und der damit verbundenen Identität
- Stärkung der Beziehung zwischen Mensch und Natur
- Stärkung der Rolle der Frau in Kultur und Gesellschaft
- Aufrechterhaltung der ökologischen Vielfalt in Shingal
- Schaffung nachhaltiger Berufe
- Traumaverarbeitung durch Beziehung zwischen Mensch und Natur